Dolche
Der Dolch gehört zu den ältesten und vielseitigsten Nahkampfwaffen der europäischen Geschichte. Als Seitenwaffe des Ritters, Werkzeug des Landsknechts oder Statussymbol des wohlhabenden Bürgers war er über Jahrtausende allgegenwärtig – und ist bis heute eine der faszinierendsten Waffen für Sammler, Reenactoren und LARP-Darsteller. In diesem Sortiment findest du historische Dolchrepliken vom Pugio der Antike bis zum Parierdolch der Renaissance, in Ausführungen für Reenactment, Schaukampf und Dekoration.
Welche Dolchtypen gibt es – ein historischer Überblick
Pugio
Der Pugio war die klassische Seitenwaffe des römischen Legionärs – ein kurzer, zweischneidiger Dolch mit breiter Klinge, häufig mit aufwendig verzierter Scheide aus Metall und Leder. Er diente sowohl als Kampfwaffe als auch als Rangabzeichen im Heer. Für eine stimmige römische Darstellung ist er unverzichtbar.
Früh- und Hochmittelalter
Im Hochmittelalter dominierte der Scheibenknaufdolch mit scheibenförmigem Knauf und einfacher Kreuzparierstange. Einfache Bauformen aus Eisen oder Stahl, oft mit Holzgriff, begleiteten Ritter und Fußsoldaten gleichermaßen. Für die frühe Wikingerzeit sind dagegen kurze Dolche kaum belegt – der Wikinger-Sax als langes Messer spielte dort die tragende Rolle.
Spätmittelalter
Das Spätmittelalter brachte die vielfältigste Dolchkultur hervor. Der Nierendolch (auch Hodendolch genannt, nach englischen Bodenfunden wie dem berühmten Fund aus London) zeichnet sich durch zwei nierenförmige Parierwülste aus. Der Rondeldolch hat runde Parierscheiben und eine schlanke, steife Klinge – ideal zum Durchdringen von Rüstungsöffnungen. Der Baselard oder Schweizer Dolch mit seinem charakteristischen H-förmigen Griff war besonders bei Bürgern und Söldnern beliebt und galt als Standeszeichen.
Renaissance und Landsknecht
Mit dem Aufstieg der Landsknechte entstand der Katzbalger-Dolch als Kurzversion des gleichnamigen Schwertes – mit S-förmiger Parierstange und kräftiger Klinge. Der Parierdolch (auch Linkshanddolch) wurde in der fechterischen Praxis der Renaissance als Begleitwaffe in der Linken geführt, um feindliche Klingen abzufangen und zu brechen.
Dolchtypen im Vergleich: Formgebung und Funktion
- Zweischneidige Klingen aus Kohlenstoffstahl oder Federstahl
- Griffmaterialien: Nussholz, Hartholz, Knochen, gegossene Schalen
- Parierelement je nach Epoche: Scheibe, Niere/Hoden, Kreuzparierstange
- Typische Gesamtlänge: 31–47 cm
- Lederscheiden, häufig punziert oder mit Ortblech beschlagen
- Historisch korrekte Optik, scharfe oder stumpfe Ausführungen
- Federstahl-Klingen (SK-B) für kontrollierten Fechtbetrieb geeignet
- SK-C Varianten für stumpfen Einsatz im Lager und bei Kostümdarstellungen
- Gummidolche aus Santoprene für sicheres Üben von Entwaffnungstechniken
- Robuste Verarbeitung für häufigen Einsatz
- Einfachere Scheiden oder Kunstlederscheiden für den Alltagseinsatz
- Auch als Dekoversion für das Heerlager geeignet
Scharf, stumpf oder Gummi – die richtige Ausführung wählen
Scharfe Klingen aus Kohlenstoffstahl oder rostfreiem Stahl eignen sich für Sammler und Schauzwecke. Sie dürfen nicht im Kampfbetrieb eingesetzt werden, machen aber optisch den stärksten Eindruck und sind ideal für die Vitrine oder als Dekostück am Gürtel beim Marktbesuch – ohne Kampfsimulation. Dolche in dieser Ausführung gelten als Deko- bzw. Sammlerstücke, nicht als Waffen im rechtlichen Sinne; Transport und Aufbewahrung solltest du dennoch umsichtig handhaben.
Stumpfe Klingen (SK-C) sind für Reenactment-Lager und Kostümdarstellungen gedacht, bei denen keine Kampfsimulation stattfindet. Die Klinge ist entschärft, die Optik bleibt historisch korrekt. Eine gute Wahl für Lagerdarstellungen, Stadtführungen oder Mittelaltermarkt-Besuche, bei denen ein stilechter Dolch am Gürtel zum Gesamtbild gehört.
Schaukampftaugliche Varianten (SK-B) aus Federstahl sind für den kontrollierten Fechtbetrieb konzipiert und bei vielen Schaukampfgruppen zugelassen – prüfe jedoch immer die Regelwerke deiner Veranstaltung. Gummidolche aus Santoprene schließlich sind die sicherste Wahl für LARP-Kampfszenen und das Üben von Entwaffnungstechniken: flexibel, aufpralldämpfend und bereits ab ca. 10 € erhältlich.
Materialien und Verarbeitung: Stahl, Holz, Leder
| Material | Eignung | Verwendung |
|---|---|---|
| Federstahl | Schaukampf | SK-B Klingen, elastisch und bruchresistent |
| Kohlenstoffstahl | Reenactment | Scharfe Sammler- und Dekodolche |
| Rostfreier Stahl | Deko | Pflegeleichte Dekodolche, Einstiegsmodelle |
| Nussholz / Hartholz | Historisch | Griffschalen, Griffhölzer – authentische Optik |
| Knochen / gegossene Schalen | Historisch | Hochwertigere Griffgestaltung |
| Vegetabil gegerbtes Leder | Historisch | Scheiden, punziert oder glatt, mit Ortblech |
| Santoprene-Gummi | LARP | Trainingsdolche, Entwaffnungsübungen |
Besonders bei hochwertigen Modellen lohnt sich ein Blick auf die Passung des Dolchs in der Scheide: Ein sauber sitzender Dolch sollte beim Tragen nicht klappern, beim Ziehen aber leichtgängig gleiten. Punzierte Lederscheiden mit Ortblech – wie beim Spätmittelalter-Schweizer Dolch im Sortiment – sind nicht nur optisch überzeugend, sondern schützen die Klinge auch langfristig. Zur Pflege von Lederscheiden empfehlen sich geeignete Lederpflegemittel.
Dolche im Reenactment: Trageweise, Befestigung und Zubehör
Im Mittelalter trug man den Dolch meist am Gürtel – häufig rechts oder mittig vorne, je nach Stand und Funktion. Ritter und Söldner kombinierten ihn mit dem Schwert auf der linken Seite; Bürger trugen ihn oft als einzige sichtbare Waffe. Die Scheide hing dabei schräg oder senkrecht, befestigt über Riemendurchzüge am Gürtelring oder über einen Schnappverschluss aus Leder.
Für ein sicheres und historisch stimmiges Tragen empfehlen sich passende Dolchhalter und Gürtelhalter – von einfachen Riemendurchzügen bis zu Schnapp-Lederhaltern, die den Dolch sicher fixieren und dennoch schnelles Ziehen ermöglichen. Die Kombination mit einem passenden Mittelalter-Gürtel und einer Gürteltasche ergibt ein stimmiges Gesamtbild.
Lederscheiden sollten regelmäßig mit einem geeigneten Lederfett oder Lederpfleger behandelt werden, um Austrocknung und Rissbildung zu verhindern. Besonders bei punzierten Scheiden lohnt sich pflegliches Handling – das geprägte Muster leidet bei aggressiven Reinigungsmitteln. Unsere Lederfarben und Lederfette sind auf historische Lederarbeiten abgestimmt.
Für LARP-Darsteller empfiehlt sich eine Zweiteilung: den Gummidolch für aktive Kampfszenen und den Dekodolch oder eine SK-C-Variante für Lagerszenen und Charakterdarstellung außerhalb des Kampfes. So bleibst du regelkonform und kannst gleichzeitig optisch überzeugend auftreten. Viele LARP-Veranstaltungen erlauben im Lager auch scharfe Deko-Dolche – prüfe aber die jeweiligen Regelwerke vorab.
Dolche nach Epoche und Darstellung – was passt zu welchem Gewand
Antike & Römer
Der Pugio war die Standardseitenwaffe des Legionärs: breite, zweischneidige Klinge, breiter Mittelgrat, oft mit aufwendig verzierter Metallscheide. Passend zur vollständigen Antiken Rüstung oder zum einfachen Legionärsgewand.
Hochmittelalter
Scheibenknaufdolch und einfache Kreuzparier-Varianten dominieren. Schlichte Holzgriffe, gerade Klingen – als Begleitwaffe zum Hochmittelalter-Schwert oder zum Rittergewand des 13. Jahrhunderts. Der stumpfe SK-C-Scheibenknaufdolch im Sortiment ist direkt an Originalbefunden orientiert.
Spätmittelalter
Die reichste Dolchepoche: Nierendolch, Rondeldolch und Baselard für Bürger, Ritter und Söldner. Punzierte Lederscheiden mit Ortblech, Nussholzgriffe, teils geschnitzte Verzierungen. Passend zur gesamten spätmittelalterlichen Gewandung – von der einfachen Tunika bis zum vollständigen Söldneroutfit.
Für die Renaissance- und Landsknechtdarstellung des 16. Jahrhunderts bieten sich der Katzbalger-Dolch und der Parierdolch (Linkshanddolch) an. Wer hingegen eine Wikingerdarstellung aufbaut, greift besser zum Wikinger-Sax – kurze Dolche spielten in der frühmittelalterlichen Waffenkultur Skandinaviens eine untergeordnete Rolle.
Ob du einen ersten Hodendolch für dein Spätmittelalter-Gewand suchst, einen schaukampftauglichen Landsknecht-Dolch oder ein hochwertiges Sammlerstück mit punzierter Lederscheide – stöbere durch das Sortiment und finde die Replik, die zu deiner Darstellung passt.
Häufig gestellte Fragen
Beide Begriffe bezeichnen denselben Dolchtyp aus dem Spätmittelalter (14./15. Jahrhundert). Der Name leitet sich von den nierenförmigen Parierwülsten am Übergang zwischen Griff und Klinge ab. Diese charakteristische Form ist durch zahlreiche archäologische Funde in England belegt. Die Klinge ist in der Regel zweischneidig und spitz zulaufend.
Für den Schaukampf eignen sich Dolche mit der Bezeichnung SK-B (schaukampftauglich) aus Federstahl. Sie sind so gefertigt, dass sie kontrollierten Fechteinsatz standhalten. SK-C-Varianten sind stumpf, aber nicht für aktive Kampfsimulation ausgelegt. Gummidolche aus Santoprene sind die sicherste Wahl für LARP-Kampfszenen und Entwaffnungsübungen. Überprüfe immer die spezifischen Regelwerke deiner Veranstaltung, welche Ausführungen zugelassen sind.
Dekodolche und historische Dolchrepliken gelten in Deutschland grundsätzlich nicht als Waffen im waffenrechtlichen Sinne, solange sie als Sammlerstücke oder Dekorationsartikel erworben werden. Beim Transport in der Öffentlichkeit und bei Veranstaltungen solltest du die geltenden Regelungen beachten – viele Mittelalterveranstaltungen haben eigene Vorschriften für das Mitführen von Klingenwaffen. Im Zweifel empfiehlt sich eine stumpfe Ausführung.
Lederscheiden sollten regelmäßig mit einem Lederfett oder Lederpfleger behandelt werden, um sie geschmeidig zu halten und Rissbildung zu verhindern. Vermeide aggressive Reinigungsmittel, besonders bei punzierten Scheiden, da das geprägte Muster beschädigt werden kann. Lagere den Dolch trocken und nicht dauerhaft in der Scheide, wenn du ihn längere Zeit aufbewahrst – das verhindert Feuchtestau.
Für eine römische Darstellung ist der Pugio die erste Wahl. Hochmittelalterliche Gewandungen des 12./13. Jahrhunderts werden durch den Scheibenknaufdolch ergänzt. Im Spätmittelalter (14./15. Jahrhundert) sind Nierendolch, Rondeldolch und Baselard historisch korrekt. Für Landsknecht- und Renaissancedarstellungen des 16. Jahrhunderts eignen sich Katzbalger-Dolch und Parierdolch. Für Wikinger-Darstellungen ist der Sax die passendere Wahl als ein kurzer Dolch.










