Kettenbeinlinge
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Kettenbeinlinge – im Mittelalter als Chausses bezeichnet – gehörten vom 11. bis ins 15. Jahrhundert zur Standardausrüstung bewaffneter Kämpfer. Als Beinschutz aus Kettengeflecht schlossen sie die empfindliche Lücke zwischen Gambeson und Helm und vervollständigten die Kettenpanzer-Ausrüstung nach unten. Wer heute eine historisch glaubwürdige Rüstung aufbauen oder sich für LARP und Reenactment ausrüsten möchte, findet hier das nötige Hintergrundwissen zur Auswahl des richtigen Modells.
Was sind Kettenbeinlinge? – Geschichte und Funktion der Chausses
Der Begriff Chausses stammt aus dem Altfranzösischen und bezeichnet eng anliegende Beinbekleidung. Im rüstungstechnischen Kontext meint er Beinlinge aus Kettengeflecht, die die Beine vom Oberschenkel bis zum Fuß bedecken. Frühe Darstellungen aus dem 11. Jahrhundert – etwa im Teppich von Bayeux – zeigen normannische Krieger bereits mit vollständigen Kettenbeinlingen, die über Stoffbeinlinge gezogen wurden.
Im Hochmittelalter (11.–13. Jh.) waren Chausses fester Bestandteil der kompletten Kettenrüstung: Zusammen mit dem Hauberk und Haubergeon, einer Kettenhaube und einem gepolsterten Gambeson bildeten sie ein geschlossenes Schutzsystem. Besonders für Kreuzritter und Ritter des 13. Jahrhunderts sind vollständige Chausses ikonographisch und schriftlich gut belegt.
Im Spätmittelalter (14.–15. Jh.) begann die Plattenrüstung zunehmend Teile der Kettenpanzerung zu ersetzen. Kettenbeinlinge wurden kürzer oder nur noch unterhalb der Kniescheiben getragen – ergänzt durch Platten-Beinzeug. Der Begriff Beinzeug oder Beinharnisch bezeichnet dabei explizit die Plattenversion, während Kettenbeinlinge weiterhin als Unterpolsterung oder Schutz für nicht abgedeckte Bereiche dienten. Wer einen Beinpanzer aus Plattenteilen sucht, findet diesen in einer eigenen Kategorie.
Ringtypen und Vernietung – die wichtigsten Unterschiede im Überblick
Die Qualität und Einsatztauglichkeit von Kettenbeinlingen hängt maßgeblich von Ringform, Vernietungsart, Durchmesser und Material ab. Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten Varianten zusammen:
| Merkmal | Variante | Eignung | Bemerkung |
|---|---|---|---|
| Ringform | Rundringe | LARP / Einstieg | Runder Querschnitt, leichter, weniger Kontaktfläche |
| Ringform | Flachringe | Historisch | Flachgewalzt, engere Maschenoptik, dichter und schwerer |
| Vernietung | Unvernietet | Einsteiger | Günstigste Option, geringere Stabilität unter Belastung |
| Vernietung | Rundvernietet | LARP / Markt | Jeder Ring einzeln mit Rundniet gesichert, solide Alltagsnutzung |
| Vernietung | Keilvernietet | Reenactment | Historisch korrektere Methode, höhere Festigkeit |
| Vernietung | Gestanzt + vernietet | Historisch | Wechsel aus gestanzten und vernieteten Ringen – historisch belegt |
| Durchmesser | 6 mm | Premium | Feinste Optik, engste Maschenstruktur, hoher Aufwand |
| Durchmesser | 8 mm | Historisch | Häufigste Größe für Reenactment-Standard |
| Durchmesser | 9–10 mm | LARP / Einstieg | Größere Ringe, leichter zu fertigen, günstiger |
| Material | Kohlenstoffstahl | Historisch | Klassisches Metall, kann rosten, Pflege erforderlich |
| Material | Federstahl | LARP / Markt | Federnde Elastizität, robuster im Alltag |
| Material | Edelstahl | Wartungsarm | Rostfrei, silbriger Glanz, weniger historisch korrekt |
| Oberfläche | Brüniert | Historisch | Dunkle Oxidationsschicht, leichter Rostschutz |
| Oberfläche | Verzinkt | Pflegeleicht | Silbrige Beschichtung, höherer Korrosionsschutz |
Kettenbeinlinge nach Epoche – welches Modell passt zu welcher Darstellung?
Hochmittelalter
Vollständige Chausses, die den Fuß mit einschließen oder mit einem Bindebandverschluss unter der Fußsohle gesichert werden. Geeignet für Kreuzritter-Darstellungen, normannische Krieger und Ritter des 12./13. Jahrhunderts. Typisch: Rundringe oder Flachringe, rundvernietet, ID 8–9 mm, Kohlenstoffstahl.
Spätmittelalter
Kürzere Kettenbeinlinge oder solche mit ergänzendem Plattenzeug an Knie und Schienbein. Kombination mit Plattenrüstung typisch. Flachringe keilvernietet oder Kombination gestanzt/vernietet für höheren historischen Anspruch. ID 8 mm, Stahl.
Übergangsform mit Leder
Kettenbeinlinge mit integrierten Lederbeschlägen bieten eine praktische Mischform: Die Lederteile erleichtern das Anschnallen an Gürtel oder Beinriemen und machen die Beinlinge auch für allgemeine Reenactment-Darstellungen geeignet, bei denen Tragekomfort im Vordergrund steht. Verfügbar in natur, geschwärzt und verzinkt.
Befestigung und Trageweise – so sitzen Kettenbeinlinge richtig
Historisch wurden Chausses auf verschiedene Arten am Körper gehalten. Die einfachste Methode ist eine Schlaufe aus Kettengeflecht, die am Gürtel eingehängt wird. Alternativ kommen Lederbänder oder Schnüre zum Einsatz, die um den Oberschenkel gebunden werden. Bei Modellen mit Lederbeschlägen erleichtert ein angenähter Lederstreifen mit Löchern die direkte Befestigung über Riemen und Schnallen am Hosenbund oder Waffengurt.
Unter den Kettenbeinlingen trägt man zwingend eine gepolsterte Unterkleidung – idealerweise einen Gambeson oder zumindest dicke gestrickte Beinlinge aus Wolle. Diese Polsterschicht hat zwei Funktionen: Sie verteilt den Druck der Metallringe auf der Haut und puffert Treffenergie ab. Direkt auf bloßer Haut getragene Kettenbeinlinge reiben, kneifen und leiten Kälte effizient ab – was historisch genauso problematisch war wie heute.
Bei der Passform gilt: Kettenbeinlinge sind in der Regel in Einheitsgrößen oder wenigen Größenabstufungen erhältlich. Der Oberschenkelumfang und die Beinlänge sind die entscheidenden Maße. Wer kräftigere Waden oder Oberschenkel hat, sollte auf Modelle mit größerem Innendurchmesser (9–10 mm) achten, da diese etwas mehr Spielraum bieten. Modelle mit Kettenhemd-Ringen als Zubehör ermöglichen bei Bedarf individuelle Anpassungen.
Schutzeigenschaften und Kombination mit anderen Rüstungsteilen
- Guter Schutz vor Schnitt- und Hiebverletzungen
- Schutz vor Pfeilspitzen bei ausreichender Ringdicke und Vernietung
- Flexibel und bewegungsfreundlich gegenüber starren Plattenteilen
- Verteilt Aufprallenergie über eine größere Fläche
- Gewicht einer kompletten Kettenpanzerung ca. 8–15 kg je nach Umfang
- Geringer Schutz vor stumpfem Druck (Knüppel, Hammerschlag) ohne Gambeson-Unterlage
- Stichverletzungen durch dünne Klingen schwer abzuhalten (besonders unvernietet)
- Ergänzung durch Kniescheiben und Schienbeinplatten im Spätmittelalter üblich
- Kombination: Kettenbeinlinge + Gambeson + Hauberk + Helm als Gesamtsystem sinnvoll
- Für Schaukampf: Unterlage und korrekte Vernietung besonders wichtig
Ein vollständiger Ringpanzer – also ein System aus Kettenhemd, Kettenbeinlingen, Kettenarmen, Kettenhandschuhen und Kettenhaube – verteilt sein Gewicht gleichmäßig auf den Körper. Im Gegensatz zur Plattenrüstung, die Gewicht konzentriert auf Schultern und Hüfte überträgt, liegt die Last beim Ringpanzer ringsum an. Dadurch ist Kettenzeug trotz des Gesamtgewichts von 8 bis 15 kg überraschend gut zu tragen.
Preisstufen und Qualitätsniveaus – Einstieg bis Reenactment-Standard
Brünierte oder verzinkte Kettenbeinlinge aus unvernieteten Rundringen (Ø 8–10 mm), Kohlenstoff- oder Federstahl. Gut für erste Mittelaltermarkt-Auftritte, Kostümnutzung und leichtes LARP. Die Modelle von Battle Merchant in dieser Preisklasse bieten solides Handwerk für den Einsteiger. Auch die Varianten mit Lederbeschlägen (ab ca. 84 €) sind hier anzusiedeln.
Rundvernietete Flach- oder Rundringe, Ø 8–9 mm, Kohlenstoff- oder Federstahl. Diese Preisklasse deckt den Bedarf für regelmäßige Nutzung auf Märkten, im Schaukampf und im Reenactment ab. Sowohl Battle Merchant als auch Lord of Battles bieten hier vollvernietete Modelle, die deutlich stabiler unter Belastung sind als unvernietete Varianten.
Keilvernietete Flachringe, teilweise kombiniert mit gestanzten Ringen, Ø 6–8 mm. Höchster historischer Anspruch, engste Maschenstruktur, sorgfältigste Verarbeitung. Die Flachring-Chausses mit 6-mm-Ringen gehören zum aufwendigsten, was das Sortiment bietet – und entsprechen dem Stand der Handwerkskunst, wie er für hochrangige Kämpfer des 13./14. Jahrhunderts belegt ist.
Pflege und Lagerung von Kettenbeinlingen
Kettenbeinlinge aus Kohlenstoff- oder Federstahl rosten, wenn sie feucht eingepackt oder unbehandelt gelagert werden. Die wichtigste Pflegemaßnahme ist das Einölen nach jeder Nutzung – ein leichtes Maschinenöl oder spezielles Kettenhemd-Öl reicht aus. Dabei das Geflecht ausbreiten oder aufhängen, damit das Öl alle Ringe erreicht.
Brünierte Ringe tragen bereits eine schützende Oxidationsschicht, die aber durch Schweiß und Feuchtigkeit abgebaut wird. Regelmäßiges Nachölen verlängert die Schutzwirkung. Verzinkte Ringe sind korrosionsbeständiger, benötigen aber dennoch gelegentliche Pflege, da die Zinkschicht mechanisch beschädigt werden kann.
Eine bewährte historische Methode zur Rostentfernung ist das Rollen in trockenem Sand oder Sägemehl: Das Schleifmittel löst Rost mechanisch ab, ohne die Ringe zu beschädigen. Alternativ funktionieren moderne Rostentferner aus dem Fachhandel. Zur Lagerung empfiehlt sich das Aufhängen oder lockere Aufwickeln in einem trockenen Raum – niemals feucht oder zusammengefaltet in einer Plastiktüte aufbewahren.
Ob du für deinen ersten Mittelaltermarkt-Auftritt eine günstige Einstiegslösung suchst oder eine historisch akkurate Darstellung des 13. Jahrhunderts aufbaust – im Sortiment findest du Kettenbeinlinge für jeden Anspruch und jedes Budget. Ergänze dein Rüstungs-Setup mit passenden Kettenhandschuhen, Kettenarmen oder einem Gambeson als Unterlage.
Häufig gestellte Fragen
Kettenbeinlinge, historisch als Chausses bezeichnet, sind Beinschutzelemente aus Kettengeflecht. Sie schützen die Beine vor Hieb- und Schnitteinwirkungen und wurden vor allem im Hochmittelalter als Teil der vollständigen Kettenpanzerung getragen. Der Beinharnisch oder Beinzeug bezeichnet dagegen Beinschutz aus Plattenteilen, der ab dem 14. Jahrhundert zunehmend die Kettenbeinlinge ergänzte oder ersetzte.
Unter Kettenbeinlingen trug man zwingend gepolsterte Unterkleidung, typischerweise dicke Wollbeinlinge oder einen Gambeson. Diese Polsterschicht hatte zwei Aufgaben: Sie verhinderte Druckstellen und Reibung durch die Metallringe auf der Haut und absorbierte die Aufprallenergie von Schlägen. Direktes Tragen auf bloßer Haut war historisch genauso unbequem wie heute.
Kettengeflecht schützt zuverlässig vor Schnitt- und Hiebeinwirkungen sowie in gewissem Maß vor Pfeilspitzen. Schwächer ist der Schutz gegen stumpfe Traumen (Knüppel, Hammerschlag), da die Ringe die Energie zwar verteilen, aber nicht vollständig absorbieren – hier ist eine gepolsterte Unterlage essenziell. Gegen dünne Stichklingen bietet unvernietetes Geflecht weniger Schutz als vollvernietete Modelle.
Eine vollständige Kettenrüstung aus Hauberk, Kettenbeinlingen, Kettenarmen und Kettenhandschuhen wiegt je nach Ringdurchmesser, Ringmaterial und Umfang ca. 8 bis 15 kg. Das Gewicht verteilt sich dabei gleichmäßig auf den gesamten Körper, was das Tragen angenehmer macht als bei einer konzentriert auf Schultern und Hüfte lastenden Plattenrüstung.
Für Einsteiger empfehlen sich Modelle mit unvernieteten Rundringen aus brüniertem oder verzinktem Stahl im Durchmesser von 8–10 mm. Diese Varianten sind günstiger in der Herstellung, leichter und für Kostümzwecke, erste Märkte und gelegentliches LARP gut geeignet. Wer regelmäßig auf Märkten auftreten oder ernsthaftes Reenactment betreiben möchte, sollte in rundvernietete Modelle investieren.









