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Brettchenweben



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Brettchenweben ist eine der ältesten textilen Techniken der Menschheitsgeschichte – mit nichts weiter als einigen kleinen Webbrettchen aus Holz, Horn oder Knochen und ein paar Fäden entstehen Borten und Bänder, die seit der Bronzezeit Gewänder schmücken. Hier findest du Webbrettchen und passendes Zubehör: vom ersten 5er-Set für Einsteiger bis zum 12er-Set aus Bein für authentische Reenactment-Darstellungen.

Was ist Brettchenweben – und woher kommt die Technik?

Was ist Brettchenweben – und woher kommt die Technik?

Beim Brettchenweben werden kleine, durchlochte Plättchen als Webwerkzeug eingesetzt – die sogenannten Webbrettchen, auch Webtäfelchen oder Webplättchen genannt. Wer sich fragt, wie ein Webbrett heißt: Im deutschsprachigen Fachbereich ist Webbrettchen der geläufigste Begriff, historisch findet man auch Täfelchen oder Plättchen. In der englischen Fachliteratur spricht man von tablet weaving cards.

Die Technik selbst ist bemerkenswert alt: Archäologische Belege reichen bis in die Bronzezeit zurück. Funde aus Ägypten, dem keltischen Mitteleuropa, aus skandinavischen Grabstätten der Wikingerzeit und aus mittelalterlichen Städten zeigen, dass Brettchenweberei in vielen Kulturen und über Jahrtausende verbreitet war. Das Grundprinzip blieb dabei erstaunlich stabil – und ist bis heute nahezu unverändert.

Wichtig ist die Abgrenzung zur Bortenweberei am Webstuhl: Industriell oder handwerklich am Webstuhl hergestellte Borten entstehen durch ein anderes Fachbildungsprinzip. Beim Brettchenweben erzeugen die gedrehten Täfelchen das Fach – dadurch entsteht eine charakteristische Drehbindung, die Brettchengeweben ihre besondere Festigkeit und optische Tiefe verleiht. Eine brettchengewebte Borte ist an der spezifischen Schräge ihrer Bindungsstruktur erkennbar und unterscheidet sich klar von tabletgewebten Maschinenimitaten.

Webbrettchen aus Holz, Horn oder Knochen – Materialvergleich

Material Eignung Eigenschaften Tipp
Rosenholz (poliert) Einstieg Leicht, angenehm zu greifen, günstig, guter Fadenfluss auf der glatten Oberfläche Ideal für erste Projekte und schmale Borten; 5er-Set ab ca. 12 €
Horn (poliert) Fortgeschrittene Leicht gleitend, traditionelles Material, angenehm warm in der Hand, natürliche Optik Guter Allrounder für regelmäßiges Weben; 5er-Set ab ca. 14 €
Knochen / Bein (poliert) Historisch Archäologisch nachgewiesen, robuster als Horn, etwas schwerer, sehr glattes Finish Erste Wahl für authentische Reenactment-Darstellungen; Sets von 5 bis 12 Stück

Das Material beeinflusst nicht nur die Optik, sondern auch das Arbeitsgefühl: Holzbrettchen liegen etwas matter in der Hand und greifen leicht in den Faden, während Horn und Bein einen seidigen Gleiteffekt bieten, der bei langen Websitzungen angenehmer ist. Für authentische Lagerdarstellungen und Wikinger-Kleidung sind Bein-Webbrettchen die historisch korrekteste Wahl.

Was ist eine Brettchenborte? – Einsatz in historischer Gewandung

Eine Brettchenborte ist das fertige textile Band, das durch Brettchenweberei hergestellt wird – also das Endprodukt des Handwerks. Brettchenborten zeichnen sich durch ihre charakteristische Festigkeit und die optisch ansprechende Drehbindungsstruktur aus, die durch maschinell hergestellte Borten kaum imitierbar ist.

In der historischen Gewandung werden Brettchenborten typischerweise als Bordüre am Saum, am Ausschnitt, an den Ärmeln und am Gürtel eingesetzt. Archäologische Textilbefunde aus Skandinavien – etwa aus Birka oder Hedeby – belegen den Einsatz brettchengewebter Borten besonders eindrücklich für die Wikingerzeit und das frühe Mittelalter. Dort schmückten sie Wollgewänder und fungierten gleichzeitig als strukturgebendes Element, das Säume verstärkte.

Für das Wikinger-Outfit im Reenactment ist eine selbst gewebte oder nach historischen Vorlagen gearbeitete Brettchenborte ein deutliches Qualitätsmerkmal, das das authentische Erscheinungsbild spürbar steigert. Wer die Borte selbst webt, kann Farbe, Breite und Muster exakt auf die eigene Gewandung abstimmen – ein Vorteil, den keine konfektionierte Borte bieten kann.

Wie funktioniert Brettchenweben – Grundprinzip einfach erklärt

Das Grundprinzip des Brettchenwebens ist einfach zu verstehen, aber in den Variationen nahezu unbegrenzt: Jedes Webbrettchen hat in der Regel vier Löcher (A, B, C, D), durch die je ein Kettfaden gezogen wird. Alle Brettchen zusammen halten damit ein Bündel paralleler Kettfäden gespannt.

Dreht man nun die Brettchen – entweder vorwärts oder rückwärts, einzeln oder in Gruppen –, entsteht zwischen den Kettfäden eine Lücke, das sogenannte Fach. Durch dieses Fach führt man den Schussfaden (mithilfe eines Webschiffchens oder einer Nadel) und schlägt ihn anschließend mit einem Kamm oder der Hand an. Dieser Vorgang wiederholt sich Zug für Zug.

Das Muster entsteht durch die Drehreihenfolge der einzelnen Brettchen: Dreht man alle vorwärts, entsteht ein einfaches diagonales Grundmuster. Dreht man Gruppen unterschiedlich oder wechselt die Richtung, entstehen komplexe Flechtmuster, Rauten, Zickzack oder florale Elemente. Als Orientierung für Muster dienen sogenannte Webbriefe – grafische Vorlagen, die die Lochbelegung und Drehreihenfolge Schuss für Schuss beschreiben, ähnlich wie Strickanleitungen. Sie sind besonders für Einsteiger unerlässlich.

Ein praktischer Vorteil des Brettchenwebens: Es ist vollkommen mobil und ohne Webstuhl möglich. Die Kette wird an einem festen Gegenstand befestigt (oder mit einem Gürtel am eigenen Körper gespannt), die Brettchen liegen in der Hand. Das macht das Handwerk zu einer idealen Beschäftigung fürs Heerlager, unterwegs oder auf Mittelaltermarkt-Veranstaltungen.

Was braucht man zum Brettchenweben? – Das Grundmaterial im Überblick

Der Materialbedarf für den Einstieg ins Brettchenweben ist überschaubar – das ist einer der Gründe, warum die Technik über Jahrtausende verbreitet war:

  • Webbrettchen: Das zentrale Werkzeug. Für den Einstieg reichen 5 bis 6 Stück; für breitere oder komplexere Muster werden 12 oder mehr benötigt. Die meisten Projekte arbeiten mit Brettchen mit 4 Löchern.
  • Garn: Als Kettfaden eignet sich festes, wenig elastisches Garn – historisch authentisch sind Wolle, Leinen oder Seide. Der Schussfaden kann dünner und feiner sein.
  • Webschiffchen oder Nadel: Dienen dazu, den Schussfaden durchs Fach zu führen. Ein Holzschiffchen lässt sich leicht selbst anfertigen oder günstig kaufen.
  • Befestigung: Ein Gürtel um die eigene Hüfte, ein Stuhl oder ein fester Haken – die Kette muss gespannt sein, damit sich die Brettchen drehen lassen. Kein Webstuhl nötig.
  • Webbriefe (Mustervorlagen): Für Einsteiger empfehlenswert, um erste Muster strukturiert zu weben. Webbriefe für historische Vorlagen aus Wikinger- und Mittelalterzeit sind in der Szene weit verbreitet.

Wer mit dem Selbermachen von Gewandungsdetails beginnt, findet im Brettchenweben einen direkten Einstieg – das erste fertige Band lässt sich bereits nach wenigen Stunden realisieren.

Webbrettchen-Sets im Überblick – welches Set passt zu welchem Vorhaben?

Einstieg · 5er Set Holz · ab ca. 12 €

Das 5er Set aus poliertem Rosenholz ist der unkomplizierteste Einstieg. Mit fünf Brettchen lassen sich schmale Borten mit einfachen Mustern weben – ideal, um das Grundprinzip zu erlernen, ohne viel investieren zu müssen. Holz ist leicht, günstig und gut verarbeitet.

Einstieg · 5er Set Horn · ab ca. 14 €

Das 5er Set aus poliertem Horn bietet im Vergleich zu Holz einen geschmeidigeren Fadenfluss. Horn ist ein traditionelles Material und liegt angenehm in der Hand – ein kleines Upgrade für alle, die von Anfang an mit natürlichen Materialien arbeiten möchten.

Fortgeschrittene · 6er Set Bein · ca. 17 €

Das 6er Set Wikinger-Webbrettchen aus Bein ermöglicht etwas mehr Mustervarianz und ist gleichzeitig historisch authentisch. Bein (polierter Knochen) war in der Wikingerzeit ein nachgewiesenes Material für Webbrettchen. Gut geeignet für regelmäßig Webende, die den nächsten Schritt machen wollen.

Reenactment · 12er Set Bein · ca. 34 €

Das 12er Set Wikinger-Webbrettchen aus Bein ist die Wahl für ernsthafte Reenactment-Darstellungen und komplexere Bortenmuster. Mit zwölf Brettchen lassen sich breite Borten mit aufwendigen Flechtmustern, Rauten oder historischen Vorlagen realisieren. Bein-Webbrettchen aus diesem Set entsprechen dem archäologisch belegten Material.

Brettchenweben im Reenactment und für Wikinger-Darstellungen

Brettchenweben im Reenactment und für Wikinger-Darstellungen

Brettchenweberei ist kein rekonstruiertes Handwerk – es ist ein nachgewiesenes, lebendiges Handwerk mit direkter archäologischer Grundlage. Aus skandinavischen Grabfunden der Wikingerzeit (9.–11. Jahrhundert) sind Webbrettchen aus Bein und Knochen erhalten, die in Aufbau und Lochung den heute erhältlichen Sets entsprechen. Textilreste aus Hedeby, Birka und anderen frühmittelalterlichen Fundorten zeigen Brettchenbortenstrukturen in verschiedenen Bindungsmustern.

Für Darsteller des Frühmittelalters und der Wikingerzeit sind Bein-Webbrettchen deshalb die authentischste Wahl. Das Material, die Form und die Verwendung entsprechen dem archäologischen Befund – was für einen konsequent historischen Ansatz im Reenactment zählt. Beim Heerlager oder auf dem Mittelaltermarkt zieht das Brettchenweben als sichtbares Handwerk regelmäßig Aufmerksamkeit auf sich – es verbindet Handwerkspraxis mit Wissensvermittlung.

Wer eine vollständige Wikinger-Darstellung aufbaut, kombiniert selbst gewebte Brettchenborten sinnvoll mit passender Wikinger-Tunika, Wikinger-Schuhen und Wikinger-Gürtel. Die selbst gewebte Borte am Saum oder Ausschnitt der Tunika rundet das Gesamtbild auf eine Weise ab, die kein konfektioniertes Detail erreicht.

Auch für Nadelbinden interessierte Handwerker finden im Brettchenweben eine sinnvolle Ergänzung – beide Techniken lassen sich mit minimalem Werkzeug und historisch authentischen Materialien betreiben und passen hervorragend in ein lebendiges Heerlager.

Vehi Mercatus ist seit über 20 Jahren Fachhandel für Reenactment, Mittelalter und LARP. Du erreichst unser Team telefonisch Mo–Fr 8–12 und 13–15 Uhr. Alle Bestellungen sind mit 30 Tagen Rückgaberecht und Trusted Shops Käuferschutz abgesichert.

Ob du gerade mit dem Brettchenweben anfängst oder bereits komplexe Muster webst – mit dem richtigen Set aus Holz, Horn oder Knochen liegt das Handwerk direkt in deinen Händen. Stöbere durch unsere Webbrettchen und finde das passende Zubehör für dein nächstes Projekt.

Häufig gestellte Fragen

Eine Brettchenborte ist das fertige Band oder die fertige Borte, die durch Brettchenweberei hergestellt wird. Sie entsteht durch das Drehen von Webbrettchen, durch die Kettfäden gespannt sind – das erzeugt eine charakteristische Drehbindung mit besonderer Festigkeit und optischer Tiefe. Brettchenborten werden typischerweise am Saum, Ausschnitt oder Ärmel historischer Gewandungen angebracht und sind ein wichtiges Detail für authentische Darstellungen im Reenactment.

Für den Einstieg ins Brettchenweben braucht man Webbrettchen (meist 5–12 Stück mit je 4 Löchern), festes Garn als Kettfaden (Wolle, Leinen oder Seide sind historisch authentisch), einen Schussfaden sowie ein Webschiffchen oder eine Nadel. Als Befestigung genügt ein Gürtel um die eigene Hüfte oder ein fester Haken – ein Webstuhl ist nicht nötig. Für Einsteiger sind außerdem Webbriefe (grafische Mustervorlagen) sehr hilfreich.

Das einzelne Werkzeug beim Brettchenweben heißt Webbrettchen, auch Webtäfelchen oder Webplättchen. Im englischen Fachbegriff spricht man von Tablet Weaving Cards. Webbrettchen haben in der Regel vier Löcher (bezeichnet A, B, C, D), durch die jeweils ein Kettfaden gefädelt wird. Sie sind aus verschiedenen Materialien erhältlich: Holz, Horn, Knochen oder Bein, wobei Bein-Webbrettchen historisch besonders gut belegt sind.

Beim Brettchenweben werden Kettfäden durch die Löcher der Webbrettchen gespannt. Dreht man die Brettchen – vorwärts oder rückwärts, einzeln oder in Gruppen – entsteht eine Lücke zwischen den Kettfäden, das sogenannte Fach. Durch dieses Fach führt man den Schussfaden und schlägt ihn an. Durch die Kombination verschiedener Drehreihenfolgen entstehen Muster wie Rauten, Flechtmuster oder Zickzack. Die Mustervorgaben nennt man Webbriefe – sie beschreiben Schuss für Schuss die Belegung und Drehrichtung der einzelnen Brettchen.

Für authentische Wikinger-Darstellungen empfehlen sich Webbrettchen aus Bein (polierter Knochen), da dieses Material archäologisch aus skandinavischen Grabfunden der Wikingerzeit belegt ist. Webbrettchen aus Birka und Hedeby entsprechen in Form und Lochanzahl den heutigen Modellen. Als Set eignet sich je nach Vorhaben das 6er-Set für regelmäßiges Weben oder das 12er-Set für komplexere, breitere Borten.

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