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Mittelalter Taschen


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Mittelalterliche Taschen waren weit mehr als praktische Behältnisse – sie waren fester Bestandteil der Gewandung, sichtbares Statussymbol und handwerkliches Meisterwerk zugleich. Da mittelalterliche Kleidung keine eingenähten Hosentaschen kannte, trug man Beutel, Geldkatzen und Gürteltaschen offen am Gürtel – für jeden sichtbar und entsprechend sorgfältig gearbeitet. Hier findest du eine breite Auswahl an Gürteltaschen, Nierentaschen und Lederbeuteln für Reenactment, LARP und Mittelaltermärkte.

Welche Taschen trugen Menschen im Mittelalter wirklich?

Welche Taschen trugen Menschen im Mittelalter wirklich?

Weil Röcke, Tuniken und Cotten keine integrierten Taschen besaßen, musste alles Nötige außen getragen werden. Die gängigsten Formen waren die Gürteltasche (am Gürtel eingehängt oder durch einen Schlitz am Riemen befestigt), der einfache Beutel mit Zugkordel sowie die Nierentasche, die sich ihrer ergonomischen Form wegen besonders im Spätmittelalter durchsetzte. Wer des Lesens und Schreibens kundig war oder einen Beruf ausübte, trug häufig eine flachere Tasche – vergleichbar einer Schreibmappe – nahe am Körper.

Ältere Begriffe aus Quellen und Grabfunden zeigen die Vielfalt der Formen: Der Almosenbeutel war ein weit verbreitetes Accessoire besonders frommer Kreise; die Geldkatze diente als schlichter Münzbehälter aus weichem Leder. Im osteuropäischen und ungarischen Reiternomadentum entwickelte sich der Tarsoly (auch Phaselus genannt), eine verzierte Klapptasche mit Metallbeschlägen, die am Gürtel hing und Prestigefunktion hatte. Volkstümliche Ausführungen waren aus ungefärbtem Rindsleder, höfische Varianten mit Prägestempeln, Stickerei oder vergoldeten Beschlägen versehen.

Epochen und Stile: Von der Wikingerzeit bis zum Spätmittelalter

Frühmittelalter & Wikingerzeit

6.–10. Jahrhundert

Charakteristisch sind schlichte, robuste Formen aus ungefärbtem Rindsleder. Der Grabfund von Birka (Schweden) und die Rösta-Tasche (Jämtland) zählen zu den wichtigsten Belegen. Ungarische Grabfunde liefern das Vorbild für den Tarsoly – eine flache Klapptasche mit reichen Bronzebeschlägen, die auch als „magyarische Tasche" bekannt ist. Typisch: wenig Verzierung, maximale Funktionalität.

Hochmittelalter

11.–13. Jahrhundert

Die charakteristische D-Form Gürteltasche hält Einzug – eine halbmondförmige Tasche, die durch einen Lederriemen direkt am Gürtel sitzt. Der Fund der Runneburg-Gürteltasche aus Weißensee/Thüringen gilt als eines der besterhaltenen Vorbilder. Material: überwiegend 2–3 mm starkes Rindsleder, teils mit einfachen Ziernähten. Farblich dominieren Naturbraun und geschwärztes Leder.

Spätmittelalter

14.–15. Jahrhundert

Die Nierentasche wird zur modischen Aussage: Sie liegt körpernah am Hüftbereich, oft mit Lilienbeschlägen oder Messingbeschlägen aus Grabfunden des 14./15. Jahrhunderts verziert. Nubuk-Leder erlaubt weichere Optiken; Flechtrand-Nähte sind ein typisches Gestaltungsmerkmal der Epoche. Reiche Ausführungen tragen geprägte Motive oder Emaillearbeiten auf den Beschlägen.

Materialien und Verarbeitung: Was eine gute Ledertasche ausmacht

Die Materialwahl entscheidet nicht nur über die Optik, sondern auch über Haltbarkeit und historische Glaubwürdigkeit. Ein Überblick über die wichtigsten Leder und ihre Eigenschaften:

Material Eignung Eigenschaften
Rindsleder, 2–3 mm Historisch Formstabil, langlebig, Hauptmaterial für Gürteltaschen; bestes Leder für tragende Taschenformen
Nubuk-Leder Historisch Weiche, mattierte Oberfläche; typisch für spätmittelalterliche Nierentaschen; etwas pflegeintensiver
Vegetabil gegerbtes Leder Historisch Traditionelle Gerbung mit Pflanzenstoffen; ökologisch, patiniert mit der Zeit, historisch korrekt
Chromgegerbtes Leder LARP Industriell gegerbt, gleichmäßige Farbe, weniger Patina; günstigere Einstiegsoption
Messingbeschläge Historisch Nach Grabfunden rekonstruiert; verleihen Tarsoly und Nierentaschen ihr charakteristisches Aussehen

Für belegnahe Darstellungen empfiehlt sich vegetabil gegerbtes Rindsleder kombiniert mit Messingbeschlägen nach archäologischen Vorbildern. Der Flechtrand – eine umlaufende Naht aus Lederstreifen – ist kein rein dekoratives Element, sondern verstärkt gleichzeitig die Kante und ist für viele Grabfund-Repliken typisch.

Gürteltasche, Nierentasche, Beutel – welche Form passt zu dir?

Authentisch / Reenactment
  • Gürteltasche (D-Form, Runneburg): Direkt am Mittelalter-Gürtel befestigt, formstabiles Rindsleder, ideal für belegnahe Darstellungen des 11.–13. Jahrhunderts
  • Nierentasche (14.–15. Jh.): Ergonomische Hüftform, Nubuk oder Rindsleder, oft mit Lilien- oder Messingbeschlägen; spätmittelalterliche Darstellungen
  • Tarsoly / Magyarische Tasche: Flache Klapptasche nach ungarischen Grabfunden mit reichen Zierbeschlägen; Frühmittelalter und Wikingerdarstellungen
  • Birka-/Rösta-Tasche: Wikingerzeitlicher Beleg, robuste Verarbeitung, authentische Beschläge aus Druckguss nach historischen Vorlagen
LARP / Märkte & Einsteiger
  • Schlichte Gürteltasche: Günstige Einstiegsvariante ohne aufwendige Beschläge, in Braun oder Schwarz erhältlich; passt zu fast jeder mittelalterlichen Gewandung
  • Lederbeutel: Flexibel tragbar, auch als Geldbeutel oder Pilgerbeutel; mit Zugkordel am Gürtel oder Gürtelring befestigt
  • Nierentasche (Einstieg): Kompakte Form, gute Alltagstauglichkeit auf Märkten, ausreichend Platz für Handy, Schlüssel und Münzen
  • Pilgertasche / Umhängetasche: Über die Schulter getragen, für längere Märsche und Heerlager; mittelalterliche Beutel in Stoff oder Leder als Alternative

Pflege und Haltbarkeit: So bleibt deine Ledertasche lange schön

Pflege und Haltbarkeit: So bleibt deine Ledertasche lange schön

Leder ist ein Naturmaterial, das mit der richtigen Pflege über Jahrzehnte hält. Der wichtigste Grundsatz: regelmäßiges Einreiben mit Lederfett oder Bienenwachs verhindert Austrocknung und Rissbildung. Dabei reicht eine dünne Schicht – übermäßiges Fetten macht Leder weich und forminstabil. Für Lederfarbe und Lederpflegeprodukte findest du im Shop entsprechendes Zubehör.

Wenn du eine alte Ledertasche reinigen möchtest: Schmutz zunächst trocken abbürsten, dann vorsichtig mit einem kaum feuchten Tuch abtupfen – Leder niemals einweichen oder unter fließendem Wasser abwaschen. Hartnäckige Stellen mit einem milden Sattelseifenblock behandeln, anschließend gut trocknen lassen und sofort einfetten.

Zur Lagerung gilt: kühl und trocken, niemals in Plastikbeuteln einschließen – Leder braucht Luftzirkulation. Ein natürliches Tuch als Hülle ist ideal. Was viele als Fehler betrachten, ist in der Szene ein Qualitätsmerkmal: die entstehende Patina. Handgefärbtes Leder entwickelt mit der Zeit einen charakteristischen Antiklook, der maschinell gefertigten Stücken fehlt – ein Zeichen echter Nutzung und ehrlicher Verarbeitung.

Preisstufen im Überblick: Einstieg bis historisch detailliert

Einstieg · ab ca. 21 €

Schlichte LARP-Gürteltaschen und Lederbeutel ohne aufwendige Beschläge. Ideal für Marktbesucher, gelegentliche LARP-Spieler oder alle, die zum ersten Mal eine mittelalterliche Tasche ausprobieren möchten. Braun und Schwarz sind die häufigsten Farben; die Verarbeitung ist solide und alltagstauglich.

Mittleres Segment · ca. 33–50 €

Taschen mit Zierbeschlägen aus Messing, belegnahe Formen wie die D-Form Gürteltasche (Runneburg) oder spätmittelalterliche Nierentaschen mit Flechtrand. Robusteres Rindsleder mit 2–3 mm Stärke, teils handgefertigt. Marken wie House of Warfare, Battle Merchant und Vehi Mercatus decken dieses Segment ab.

Historisch detailliert · ca. 60–143 €

Handgefertigte Stücke nach archäologischen Grabfunden: Tarsoly nach ungarischen Funden, Birka- und Rösta-Taschen der Wikingerzeit, reich beschlagene magyarische Taschen mit Triskele- oder Turul-Motiven. Für ambitionierte Reenactoren und belegnahe Darstellungen. Hersteller wie Pera Peris und Lord of Battles arbeiten mit verzierten Beschlägen nach historischen Vorlagen.

📞 Bei Fragen zur passenden Tasche für eine bestimmte Epoche oder Darstellung hilft das Team von Vehi Mercatus telefonisch weiter – Mo–Fr 8–12 und 13–15 Uhr unter +49 9921 7099288. Das 30-tägige Rückgaberecht gibt beim ersten Kauf zusätzliche Sicherheit.

Ob du zum ersten Mal einen Mittelaltermarkt besuchst oder eine belegnahe Darstellung vervollständigen möchtest – in dieser Kategorie findest du mittelalterliche Taschen für jeden Anspruch und jede Epoche. Stöbere durch das Sortiment und entscheide, welche Form und welches Material am besten zu deiner Gewandung passt.

Häufig gestellte Fragen

Mittelalterliche Taschen tragen verschiedene historische Namen, je nach Form und Funktion: Die am Gürtel getragene Tasche heißt schlicht Gürteltasche oder nach ihrer halbmondförmigen Silhouette D-Form-Tasche. Der Almosenbeutel war ein religiös konnotierter Zugbeutel, die Geldkatze ein einfacher Münzbehälter. Aus dem ungarisch-frühmittelalterlichen Kulturraum stammt der Tarsoly – eine verzierte Klapptasche mit Metallbeschlägen, die auch als Phaselus bezeichnet wird.

Da mittelalterliche Kleidung keine eingenähten Taschen besaß, wurden alle Behältnisse außen am Gürtel getragen. Verbreitet waren der einfache Lederbeutel mit Zugkordel, die formstabile Gürteltasche aus Rindsleder sowie ab dem 14. Jahrhundert die ergonomische Nierentasche. Wer viel reiste, nutzte größere Pilgertaschen über der Schulter. Je nach Stand und Epoche variierten Material, Verzierung und Größe erheblich.

Für Gürteltaschen und Nierentaschen gilt vegetabil gegerbtes Rindsleder mit einer Stärke von 2–3 mm als erste Wahl: Es ist formstabil, langlebig und entwickelt mit der Zeit eine charakteristische Patina. Für weichere, körpernah liegende Formen wie spätmittelalterliche Nierentaschen eignet sich Nubuk-Leder. Chromgegerbtes Leder ist günstiger und pflegeleichter, patiniert aber kaum und gilt für belegnahe Reenactment-Darstellungen als weniger passend.

Schmutz zunächst trocken abbürsten, hartnäckige Stellen vorsichtig mit einem kaum feuchten Tuch abtupfen – Leder niemals einweichen. Danach mit Lederfett oder Bienenwachs einreiben und trocknen lassen. Zur Lagerung: kühl und trocken, niemals in Plastikfolie einschließen, da Leder Luft braucht. Regelmäßige Pflege alle paar Monate verhindert Rissbildung und erhält die Flexibilität des Materials langfristig.

Für eine authentische Wikingerdarstellung (9.–10. Jahrhundert) bieten sich die Birka-Tasche und die Rösta-Tasche an – beide nach schwedischen Grabfunden rekonstruiert. Alternativ eignet sich der frühmittelalterliche Tarsoly nach ungarischen Grabfunden, der in der Wikingerzeit weit verbreitet war. Wichtig: Beschläge sollten aus Druckguss nach historischen Vorlagen gefertigt sein; reine Lederformen ohne Metallbesatz sind ebenfalls belegbar.

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