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Armpanzer


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Der Armpanzer – historisch auch Armzeug oder Panzerarm genannt – schützte den Arm des Kämpfers vom Handgelenk bis zur Schulter und gehörte im Spätmittelalter zur vollständigen Plattenrüstung ebenso selbstverständlich wie Brustpanzer oder Helm. Ob einfache Unterarmschienen für den Einstieg, vollständige Armzeuge mit Ellbogenkacheln oder historische Sondervarianten wie die römische Manica – hier findest du Armpanzer für Reenactment, Schaukampf und LARP in verschiedenen Materialstärken und Epochenstilen.

Was ist ein Armpanzer? Begriffe und Aufbau

Was ist ein Armpanzer? Begriffe und Aufbau

Die Begriffe Armpanzer, Armzeug, Panzerarm und Armschienen werden heute oft synonym verwendet, bezeichnen aber im historischen Kontext unterschiedliche Dinge. Armzeug ist der ältere deutschsprachige Fachbegriff für den vollständigen geharnischten Arm einer Plattenrüstung, der Oberarm, Ellbogen und Unterarm schützt. Armschienen meint streng genommen nur die röhrenförmigen Platten, die den Unter- oder Oberarm bedecken, während Armpanzer als moderner Sammelbegriff alle plattenförmigen Armschutz-Varianten umfasst.

Ein vollständiges Armzeug des Spätmittelalters besteht aus mehreren Komponenten: der Oberarmröhre (Rerebrace), dem Ellbogenkachel (Couter) und der Unterarmschiene (Vambrace). Diese Teile werden durch Lederriemen oder Niete beweglich miteinander verbunden, damit der Arm volle Bewegungsfreiheit behält. Ergänzt wird das Armzeug häufig durch Schulterplatten (Pauldrons) und Plattenhandschuhe.

Abzugrenzen sind Plattenarmschienen von Kettenarmen aus Ringgeflecht, die vor allem im Früh- und Hochmittelalter verbreitet waren, sowie von Lederarmschienen, die im LARP-Bereich und bei bestimmten antiken Rekonstruktionen eingesetzt werden. Die Plattenrüstung löste den Kettenarmschutz ab dem 14. Jahrhundert schrittweise ab.

Materialien und Stärken: Kohlenstoffstahl, Stahl-Gauge und Leder

Material / Stärke Eignung Typische Verwendung
Stahl 20 Gauge (0,9 mm) Deko / Kostüm Armstulpen, leichte Schauware, Kostümbau
Stahl 1,2 mm LARP Unterarmschienen, leichtes LARP, Einsteiger
Kohlenstoffstahl 1,5–1,6 mm Reenactment Armzeug mit Ellbogenkacheln, Schaugruppen
Kohlenstoffstahl 1,8–2 mm Schaukampf Schaukampftaugliches Armzeug, Training
Messing Historisch Römische Manica, Schaurekonstruktionen
Leder (3–4 mm) LARP / Fantasy Lederarmpanzer, Nordländer-Stil, flexibler Schutz

Die Gauge-Angabe beschreibt die Blechstärke in einem angloamerikanischen System: 16 Gauge entspricht etwa 1,6 mm, 20 Gauge etwa 0,9 mm – je niedrigere die Gauge-Zahl, desto dicker das Material. Kohlenstoffstahl ist gegenüber einfachem Baustahl deutlich härter und widerstandsfähiger, nimmt Schlagenergie besser auf und eignet sich daher besonders für den Schaukampfeinsatz. Polierte Oberflächen sind pflegeleichter und stärker spiegelnd, geschwärzte Ausführungen wirken matter und erfordern gelegentliches Nachölen, um Rost vorzubeugen.

Die Befestigungsriemen bestehen in der Regel aus Rindsleder und sind mehrfach verstellbar, was die Anpassung an unterschiedliche Armumfänge ermöglicht. Bei schaukampftauglichen Modellen sollten die Riemenverbindungen doppelt vernäht oder genietet sein.

Was trägt man unter einem Armpanzer? Unterrüstung richtig kombinieren

Was trägt man unter einem Armpanzer? Unterrüstung richtig kombinieren

Stahlschienen direkt auf der Haut zu tragen ist aus mehreren Gründen problematisch: Ohne Polsterung übertragen sich Schlagimpulse ungefiltert auf Knochen und Muskeln, und die Metallkanten können bei Bewegung scheuern. Historisch wie praktisch ist der Gambeson die wichtigste Unterlage. Diese wattierten Jacken polstern den Arm zuverlässig, verteilen Druckstellen und verhindern das Durchscheuern der Befestigungsriemen.

Bei einer vollständigen Rüstung des Hoch- und Spätmittelalters wurde zwischen Gambeson und Plattenrüstung häufig noch ein Kettenhemd getragen, das Lücken zwischen den Plattenteilen schützte und zusätzlich Stich- und Schnittschutz bot. Wer Kettenarme ohne vollständige Plattenrüstung trägt, schützt damit zumindest die Gelenke in den Übergangszonen.

Für die Passform des Armpanzers ist die Unterrüstung entscheidend: Ein Armzeug, das über einem dicken Gambeson und Kettenhemd getragen wird, muss entsprechend größer dimensioniert sein als eines, das direkt über einer dünnen Tunika sitzt. Die meisten Modelle im Sortiment sind auf den Einsatz über einem Gambeson ausgelegt – im Zweifelsfall lieber eine Nummer größer wählen und mit den Lederriemen anpassen.

Historische Entwicklung des Armzeugs vom 13. bis 16. Jahrhundert

bis 12. Jh.

Früh- und Hochmittelalter

Armschutz bestand hauptsächlich aus Kettengeflecht oder verstärkten Lederbinden. Eigenständige Plattenteile für den Arm waren unbekannt; der Schutz des Unterarms war Teil des langen Kettenhemdes (Hauberk).

13.–frühes 14. Jh.

Entstehung der Plattenteile

Erste einzelne Plattenteile erscheinen als Ergänzung zum Kettenhemd: einfache Eisenschienen am Unterarm, auf Leder genietet. Ellbogenscheiben (Couter) als separate Schutzelemente kommen auf. Der Übergang von Ketten- zu Plattenschutz vollzieht sich schrittweise.

14. Jh.

Vollständiges Armzeug entsteht

Ober- und Unterarmschiene werden kombiniert, der Ellbogenbereich durch Kachelkonstruktionen geschützt. Das Armzeug wird Teil der sich entwickelnden Plattenharnische. Erste vollständige geharnischte Arme erscheinen auf Grabfiguren und in Bildquellen.

15. Jh.

Gotischer Stil und spitze Ellbogenkacheln

Der gotische Harnisch des 15. Jahrhunderts ist gekennzeichnet durch elongierte, spitz auslaufende Ellbogenkacheln. Die Fertigung wird handwerklich ausgereifter, Schienen sind segmentiert und ermöglichen bessere Beweglichkeit. Regionale Unterschiede zwischen deutschem, italienischem und französischem Harnischbau werden deutlicher.

spätes 15.–16. Jh.

Vollröhrenrüstung und Renaissance

Das vollständige Armzeug mit durchgehenden Röhren, mehrfach segmentierten Ellbogen und aufwendigen Schulteranschlüssen erreicht seinen Höhepunkt. Mit der Renaissance und dem Aufkommen von Feuerwaffen beginnt der Rückgang der schweren Plattenrüstung.

Für welche Anwendung welcher Armpanzer?

Dekoration & Kostüm · 25–45 €

Armstulpen und einfache Unterarmschienen aus 0,9–1,2 mm Stahl (20–18 Gauge) sind optisch ansprechend und für Kostümbau, Fotoshootings und leichte Mittelaltermarkt-Auftritte geeignet. Sie sind nicht für Schlagbelastungen ausgelegt. Polierte Varianten wirken besonders edel im Kostümkontext.

LARP & Reenactment · 45–170 €

Armschienen mit 1,2–1,6 mm Stahl und Ellbogenkacheln bieten deutlich mehr Schutz und sind für leichtes bis mittleres LARP sowie Reenactment-Gruppen geeignet. Kohlenstoffstahl in 1,5–1,6 mm ist auch für Schaugruppen verwendbar. Wichtig: Passform über Gambeson prüfen. Gute Modelle sind verstellbar und decken alle gängigen Armumfänge ab.

Schaukampf · ab 150 €

Vollständige Armzeuge aus 1,6–2 mm Kohlenstoffstahl mit schaukampftauglicher Zertifizierung sind für intensiven Fechtbetrieb ausgelegt. Modelle des 14. und 15. Jahrhunderts sind historisch rekonstruiert und werden über Gambeson und Kettenhemd getragen. Kombination mit passenden Schulterplatten, Plattenhandschuhen und einem Brustpanzer ist für vollständige Schutzwirkung notwendig.

Arten von Armpanzern im Überblick

Unterarmschienen

Basisschutz für Einsteiger

Einfache Schienen aus Stahl, die nur den Unterarm bedecken. Günstigste Einstiegsmöglichkeit, leicht anzulegen, auch solo ohne Schulterplatten tragbar. Ideal als erste Rüstungskomponente oder Ergänzung zu einem bestehenden Kostüm.

Armzeug mit Ellbogenkacheln

14.–15. Jahrhundert

Kombination aus Unterarmschiene, Ellbogenkachel und teils Oberarmbedeckung. Historisch typisch für den Hoch- und Spätmittelalter-Harnisch. Bietet deutlich mehr Schutz als reine Unterarmschienen, besonders für den empfindlichen Ellbogenbereich.

Vollständiges spätmittelalterliches Armzeug

15.–16. Jahrhundert

Komplettes Armzeug mit Ober- und Unterarmröhre sowie mehrteiligen Ellbogenkacheln. Schaukampftauglich, historisch rekonstruiert, für erfahrene Reenactoren geeignet. Trägt sich in Kombination mit passenden Schulterplatten und Handschuhen.

Darüber hinaus umfasst das Sortiment historische Sondervarianten: Der Wikinger Armschutz aus 2 mm Stahl greift frühmittelalterliche Gestaltungsprinzipien auf. Die Römische Manica aus Stahl oder Messing rekonstruiert den segmentierten Armschutz der Legionäre und passt zur antiken Rüstung. Brigantinen-Armschienen kombinieren aufgenietete Metallplatten mit Lederträger und sind historisch im 14./15. Jahrhundert belegt. Für Mittelalter Armschienen aus Leder gibt es zudem eigene Kategorien im Larp- und Fantasysegment.

Preisübersicht und Kaufberatung

Einstieg · 25–70 €
  • Einfache Unterarmschienen, 0,9–1,2 mm Stahl
  • Armstulpen poliert oder geschwärzt
  • Für Kostüm, leichtes LARP, Mittelaltermarkt
  • Verstellbar über Lederriemen
  • Kein Schaukampfeinsatz empfohlen
Mittelsegment · 70–170 €
  • Armschienen mit Ellbogenkacheln, 1,5–1,6 mm
  • Kohlenstoffstahl, erhöhte Schlagfestigkeit
  • Für Reenactment-Gruppen und mittleres LARP
  • Gotische Varianten mit spitzen Ellbogenkacheln
  • Kompatibel mit Gambeson und Kettenhemd
Gehobenes Segment · 170–260 €
  • Vollständiges Armzeug, 1,6–2 mm Kohlenstoffstahl
  • Schaukampftauglich, historisch rekonstruiert
  • 14. und 15. Jahrhundert originalgetreu
  • Für Schaugruppen und aktiven Fechtbetrieb
  • Passend zum vollständigen Harnisch ergänzbar

Beim Kauf lohnt es sich, auf die Gauge-Angabe (Materialstärke), die Verstellbarkeit der Riemen und die Kompatibilität mit vorhandenen Rüstungsteilen zu achten. Wer Armpanzer mit Beinpanzer, Halsberge und Helm zu einem stimmigen Set kombinieren möchte, sollte Epoche und Hersteller aufeinander abstimmen – Proportionen und Anschlusspunkte variieren je nach Modellreihe.

Zur rechtlichen Frage: Zivilpersonen dürfen Rüstungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz ohne Einschränkung kaufen, besitzen und tragen. Rüstungsteile aus Stahl fallen nicht unter das Waffengesetz. Es gibt keine Altersbeschränkung oder Genehmigungspflicht für den Erwerb.

Vehi Mercatus ist seit über 20 Jahren Fachhandel für Mittelalter und Reenactment. Bei Fragen zur richtigen Materialstärke, Passform oder Kombination mit anderen Rüstungsteilen erreichst du das Team telefonisch Mo–Fr 8–12 und 13–15 Uhr. 30 Tage Rückgaberecht, Trusted Shops geprüft.

Ob du deinen ersten Armpanzer für ein LARP-Wochenende suchst oder ein schaukampftaugliches Armzeug des 15. Jahrhunderts für das Reenactment – stöber durch das Sortiment und finde die passende Kombination aus Material, Stärke und Epoche.

Häufig gestellte Fragen

Alle drei Begriffe bezeichnen plattenförmigen Armschutz, haben aber unterschiedliche Bedeutungen. 'Armzeug' ist der historische Fachbegriff für den vollständigen geharnischten Arm einer Plattenrüstung. 'Armschienen' meint die einzelnen Röhrenteile am Unter- oder Oberarm. 'Armpanzer' und 'Panzerarm' sind modernere Sammelbegriffe, die heute oft synonym verwendet werden.

Historisch und praktisch ist ein Gambeson (gewattete Schutzjacke) die wichtigste Unterlage, da er Schlagimpulse abpuffert und das Durchscheuern der Befestigungsriemen verhindert. Bei vollständiger Plattenrüstung wurde oft noch ein Kettenhemd als Zwischenlage getragen. Direkter Hautkontakt mit Stahlschienen ist im aktiven Einsatz nicht empfehlenswert.

Ja, Zivilpersonen dürfen Rüstungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz ohne Einschränkung kaufen, besitzen und tragen. Rüstungsteile aus Stahl fallen nicht unter das Waffengesetz. Es gibt weder eine Altersbeschränkung noch eine Genehmigungspflicht für den Erwerb.

Für den aktiven Schaukampfeinsatz sollte die Materialstärke mindestens 1,6 mm Kohlenstoffstahl (16 Gauge) betragen – besser 1,8 bis 2 mm. Dünnere Ausführungen mit 0,9–1,2 mm sind für Dekoration, Kostüm oder leichtes LARP geeignet, aber nicht für intensiven Fechtbetrieb ausgelegt. Viele Produkte tragen den Hinweis 'schaukampftauglich' direkt in der Beschreibung.

Einfache Unterarmschienen gibt es ab ca. 25–35 €. Armzeuge mit Ellbogenkacheln aus Kohlenstoffstahl kosten typischerweise zwischen 60 und 170 €, vollständige schaukampftaugliche Armzeuge des 14. oder 15. Jahrhunderts liegen zwischen 150 und 260 €. Eine komplette Ritterrüstung aus Plattenteilen summiert sich je nach Qualität schnell auf 600 € und mehr.

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