Mittelalter Hose, Wikinger Hosen und Beinlinge für Herren
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Mittelalter Hosen, Wikinger Hosen und Beinlinge für Herren
Mittelalterliche Gewandung für Männer beginnt von unten – und das buchstäblich: Kein Outfit ist vollständig ohne die richtige Hose oder Beinlinge. Ob du eine authentische Wikinger Hose aus Wolldiamantköper suchst, eine robuste Thorsberghose für die Germanendarstellung oder klassische Beinlinge für das Hochmittelalter – wer versteht, welche Schnitte, Materialien und Epochen hinter den einzelnen Modellen stehen, trifft beim Kauf die richtige Wahl.
Welche Hosen trug man im Mittelalter? Ein historischer Überblick
Bracae – keltisch-germanische Vorläufer
Als Bracae bezeichneten die Römer die weiten Beinkleider der Kelten und Germanen. Diese frühen Hosen reichten je nach Region und Epoche bis zum Knie oder über den Knöchel und galten im Gegensatz zur tunikabetonten römischen Mode als „barbarisches" Kleidungsstück – was sie für Germanen- und Keltendarstellungen umso interessanter macht.
Thorsberghose – der älteste Hosenfund
Der Fund im Thorsberger Moor (Schleswig-Holstein) gilt als einer der ältesten erhaltenen Hosenfunde Europas. Die Datierung ist wissenschaftlich umstritten und reicht je nach Quelle vom 1. bis zum 4. Jahrhundert – eine genaue Einordnung bleibt schwierig. Der charakteristische Schnitt mit Fußteil und weitem Beinverlauf ist heute die Basis für viele Thorsberghosen im Reenactment-Bereich und eignet sich für Germanen- sowie frühe Wikinger-Darstellungen gleichermaßen.
Rushose – die Wikinger-Pluderhose
Funde aus Siedlungen wie Haithabu und Birka belegen weite Pluderhosen im nordischen Raum des Frühmittelalters. Die sogenannte Rushose – benannt nach den Rus-Wikingern – zeichnet sich durch einen besonders weiten Schnitt aus, der am Knöchel zusammengezogen oder mit Wadenwickeln kombiniert wird. Sie ist das charakteristischste Beinkleid für authentische Wikinger-Gewandungen.
Beinlinge – das geteilte Beinkleid
Beinlinge sind keine Hose im heutigen Sinne, sondern zweiteilige Beinkleider: Je ein Stück pro Bein, befestigt an einer Bruche mit Nestelbändern. Sie waren vom Frühmittelalter bis ins 14. Jahrhundert fester Bestandteil der männlichen Kleidung und gelten heute als das vielleicht typischste Erkennungszeichen mittelalterlicher Bekleidung – weil sie es nie in die Neuzeit schafften.
Schamlatzhose – Übergang zum Spätmittelalter
Im Spätmittelalter lösen engere, an Hüfte und Bein angepasste Schnitte die zweiteiligen Beinlinge ab. Die Schamlatzhose verbindet beide Beinteile zu einem Kleidungsstück und ist der direkte Vorläufer der neuzeitlichen Hose. Kombiniert mit einem Wams entsteht das klassische Spätmittelalter-Outfit.
Passform, Größen und Pflege: Was du vor dem Kauf wissen solltest
Die meisten Modelle sind in den Größen S bis XXL erhältlich. Ausgewählte Modelle – darunter Thorsberghosen und Rushosen – werden auch in XXXL und XXXXL angeboten. Für die richtige Größenwahl misst du mit einem Maßband an der breitesten Stelle deiner Hüfte den Umfang und vergleichst diesen mit der jeweiligen Maßtabelle im Produktdetail. Weite Schnitte wie die Rushose oder Thorsberghose sind grundsätzlich toleranter gegenüber Passformabweichungen als figurnähere Modelle.
Baumwolle und Leinen lassen sich in der Regel bei 30 °C in der Waschmaschine waschen. Wichtig: Kein Trockner – das verhindert übermäßiges Einlaufen. Hänge die Kleidungsstücke zum Trocknen auf und forme sie leicht nach. Bei der Eigenmarke Vehi Mercatus werden die Stoffe nach eigenen Vorgaben in speziellen Webereien gefertigt; durch besondere Stoffvorbereitung ist das Nachschrumpfungsverhalten deutlich reduziert.
Wolle reagiert empfindlicher auf Wärme und Reibung als pflanzliche Fasern. Wollhosen sollten bei maximal 30 °C im Schonwaschgang oder per Hand gewaschen werden – am besten mit einem milden Wollwaschmittel. Kein Trockner, kein Wringen. Lies in jedem Fall die Pflegeanleitung des jeweiligen Produkts, um Ausbluten oder Filzen zu vermeiden.
Wer auf Nummer sicher gehen möchte, wäscht neue Kleidungsstücke vor dem ersten Tragen einmal kalt durch. Das ist besonders bei Leinen sinnvoll, das beim Erstwaschen stärker einlaufen kann als bei Folgewäschen. Intensiv gefärbte Stücke separat waschen, um ein Abfärben auf helle Gewandung zu verhindern.
Beinlinge: Das mittelalterliche Beinkleid, das verschwand
Beinlinge unterscheiden sich grundlegend von Hosen: Sie bestehen aus zwei getrennten Teilen – je eines für jedes Bein –, die oben mit Nestelbändern an der Bruche befestigt werden. Die Bruche, eine Art eng anliegende Unterhose, ist dabei kein optionales Accessoire, sondern die notwendige Grundlage für das Beinlinge-Outfit: Ohne Bruche gibt es keinen Halt.
Getragen wurden Beinlinge vom Frühmittelalter bis ins 14. Jahrhundert. Sie wurden aus Wolle oder Leinen gefertigt, und Farbe sowie Material signalisierten sozialen Status: Ein Bauer trug ungefärbte oder einfarbige Beinlinge aus grober Wolle, ein Adeliger konnte sich aufwendig gefärbte Stücke in Krap-Rot oder Waid-Blau leisten. Heute gelten Beinlinge als das vielleicht authentischste mittelalterliche Beinkleid überhaupt – eben weil sie nie den Sprung in die Neuzeit schafften und damit nicht durch spätere Moden verfremdet wurden. Für Hochmittelalter-Darstellungen sind sie daher nahezu unverzichtbar.
Materialien im Vergleich: Wolle, Leinen und Baumwolle
| Material | Eignung | Eigenschaften |
|---|---|---|
| Wolle (Diamantköper, Fischgrat) | Reenactment | Historisch authentischstes Material; wärmeregulierend; Bindungsart beeinflusst Optik und Haptik; ideal für Germanen- und Wikingerdarstellung |
| Leinen | Reenactment | Leicht, sehr atmungsaktiv; gut für wärmere Jahreszeiten; historisch belegt; naturfarben oder pflanzlich gefärbt |
| Baumwolle | LARP / Einsteiger | Nicht mittelalterlich, aber Naturfaser; optisch ähnlich zu Leinen; günstiger Einstieg; waschbar und pflegeleicht |
| Polyester-Mischgewebe | Kostüm | Günstig und formstabil; für Reenactment mit historischen Ansprüchen ungeeignet; funktional für Kostüm und Einmaleinsatz |
Die Eigenmarke Vehi Mercatus setzt ausschließlich auf Naturfasern – eine bewusste Entscheidung, denn die Stoffe werden nach eigenen Vorgaben in Webereien gefertigt und sind keine Massenware von der Stange.
Welches Modell passt zu welcher Darstellung?
Germanen & frühes Mittelalter
Die Thorsberghose ist das Modell der Wahl: weiter Schnitt, Fußteil, aus Wolle. Authentische Darstellungen setzen auf ungefärbte oder naturfarbene Wollstoffe in Diamantköper- oder Fischgratbindung. Kombination mit Tunika und Wadenbinden ergibt ein stimmiges Gesamtbild.
Wikinger & Frühmittelalter
Rushose und Thorsberghose sind beide gut belegbar. Die Rushose besticht durch ihren weiten Pluderfit, der mit Wadenwickeln abgeschlossen wird. Material: Wolle oder Leinen. Ergänze die Hose mit Wikinger Kleidung für eine vollständige Frühmittelalter-Gewandung.
Hochmittelalter
Beinlinge mit Bruche dominieren das männliche Beinkleid. Erste engere Hosenschnitte tauchen auf. Material: Wolle und Leinen. Farbgebung als Statuszeichen. Kombiniere Beinlinge mit einem langen Mittelalter Hemd oder einer Cotte für das klassische Hochmittelalter-Outfit.
Für LARP und Fantasy gilt: Erlaubt ist, was zum Charakter passt. Optik und Bewegungsfreiheit stehen über historischer Korrektheit. Alle Modelle – von der Thorsberghose bis zu Beinlingen mit modernen Verschlüssen – finden ihren Platz im LARP-Outfit.
Wikinger Hosen: Schnitte, Funde und historische Vorbilder
- Weiter, fließender Schnitt – viel Stoff am Bein
- Funde aus Haithabu und Birka (8.–11. Jh.)
- Typisch für Rus-Wikinger und nordische Darstellungen
- Wird am Knöchel geschnürt oder mit Wadenwickeln getragen
- Material: Wolle oder Leinen, selten Leinen-Wolle-Mischung
- Gibt dem Gesamtoutfit eine deutlich nordische Wirkung
- Engerer, körpernaher Schnitt mit Fußteil
- Fund: Thorsberger Moor, Datierung 1.–4. Jh.
- Geeignet für Germanen- und frühe Wikinger-Darstellungen
- Kein Schnüren nötig – sitzt durch Schnitt und Fußteil
- Material: bevorzugt Wollfilz, Wolldiamantköper oder Fischgrat
- Wirkt kompakter und archaischer als die Rushose
Wadenwickel sind für beide Schnitte eine sinnvolle Ergänzung: Sie schützen Unterschenkel und Knöchel, halten die Beinlinge oder Hosensäume in Position und vervollständigen optisch das Wikinger- oder Germanenbild. Im Shop findest du dazu passend die Wikinger Wadenwickel.
Marken und Preisniveaus im Sortiment
Einstiegsmodelle aus Baumwolle – ideal für erste Gewandungen, Mittelaltermarktbesuche oder LARP-Abenteuer. Gute Optik, pflegeleicht, in vielen Farben erhältlich. Hauptsächlich von Burgschneider, dem stärksten Anbieter im Sortiment mit über 100 Modellen.
Thorsberghosen und Rushosen aus Baumwoll-Mischgeweben oder leichten Wollstoffen. Historisch inspirierte Schnitte, teils mit Schnürungen oder Nestelverschlüssen. Burgschneider und Battle Merchant liefern hier den Großteil der Modelle – Battle Merchant mit klarem Fokus auf Reenactment-taugliche Schnitte.
Wollmodelle in Diamantköper- oder Fischgratbindung für anspruchsvolles Reenactment. Die Eigenmarke Vehi Mercatus setzt hier auf Stoffe nach eigenen Vorgaben aus spezialisierten Webereien – ausschließlich Naturfasern, kein Synthetik. Für Darsteller, denen Material und Schnitt so nah wie möglich am historischen Vorbild sein sollen.
Mit über 200 Modellen von der Thorsberghose bis zu Beinlingen, in Wolle, Leinen und Baumwolle, findest du hier die passende Hose für jede Epoche und jeden Anlass – stöber durch das Sortiment und rüste deine Gewandung von Grund auf neu aus.
Häufig gestellte Fragen
Im frühen Mittelalter waren Beinlinge – zweiteilige Beinkleider aus Wolle oder Leinen, befestigt an einer Bruche – das typische Beinkleid der Männer. Daneben gab es weite Pluderhosen (Rushosen) im nordischen Raum sowie die Thorsberghose als germanisch-frühmittelalterlichen Schnitt. Im Spätmittelalter entwickelte sich daraus die Schamlatzhose als einteiliges Kleidungsstück.
Die wichtigsten Begriffe sind: Beinlinge (zweiteilige Beinkleider, bis 14. Jh.), Bruche (kurze Unterhose als Basis für Beinlinge), Thorsberghose (benannt nach dem Moorfund), Rushose oder Wikinger-Pluderhose (weiter nordischer Schnitt) sowie Schamlatzhose (Spätmittelalter). Im lateinischen Raum sprach man von Bracae für weite keltisch-germanische Beinkleider.
Wikinger trugen hauptsächlich zwei Schnitte: die weite Rushose (Pluderhose) mit viel Stoff am Bein, die oft mit Wadenwickeln kombiniert wurde, sowie die engere Thorsberghose mit Fußteil. Beide Varianten wurden aus Wolle oder Leinen gefertigt – Wollstoffe in Diamantköper- oder Fischgratbindung sind für Reenactment-Darstellungen historisch am besten belegt. Funde aus Haithabu und Birka geben wichtige Hinweise auf Schnitt und Material.
Bracae ist der lateinische Begriff für die weiten Beinkleider der Kelten und Germanen, die den Römern bei ihrer Expansion in Mittel- und Nordeuropa begegneten. Die Römer betrachteten Hosen als Zeichen der 'Barbaren', da sie selbst Tuniken und Toga bevorzugten. Bracae konnten bis zum Knie oder bis zum Knöchel reichen und gelten als frühe Vorläufer der mittelalterlichen Hosen.
Für Reenactment-Darstellungen sind Wolle und Leinen die historisch belegten Materialien – in mittelalterlichen Funden tauchen keine anderen Fasern auf. Wollstoffe in Diamantköper- oder Fischgratbindung eignen sich besonders für Germanen- und Wikingerdarstellungen. Baumwolle ist zwar nicht historisch, wird aber als günstiger Einstieg akzeptiert, da sie als Naturfaser optisch ähnlich zu Leinen ist. Polyester-Mischgewebe sollte für anspruchsvolles Reenactment vermieden werden.









