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Mittelalter Fibel, Ringfibel und Fürspann


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Was ist eine Fibel? Definition, Geschichte und Funktion

Was ist eine Fibel? Definition, Geschichte und Funktion

Eine Fibel ist eine Gewandschließe, die zwei Teile Stoff oder Leder miteinander verbindet – und dabei gleichzeitig als Schmuckstück dient. Sie besteht im Wesentlichen aus zwei Elementen: dem Körper, der die Form der Fibel bestimmt (Ring, Hufeisen, Scheibe, Kleeblatt u.v.m.), und dem Dorn, der durch den Stoff geführt wird und den Verschluss herstellt.

Der Begriff leitet sich vom lateinischen fibula ab und bezeichnet in der Archäologie sämtliche Gewandnadeln von der Bronzezeit bis ins Spätmittelalter. Fibeln gehören damit zu den am häufigsten gefundenen Alltagsgegenständen in europäischen Grabungsstätten. Die ältesten bekannten Exemplare stammen aus der mittleren Bronzezeit (ca. 1300 v. Chr.); in Mitteleuropa ist die Fibel also über 3.000 Jahre nachweisbar.

Was viele nicht wissen: Eine Fibel sticht nicht durch die Gewebefasern. Der Dorn fädelt sich zwischen den Fasern hindurch und schiebt die Webung beiseite – zieht man die Fibel wieder heraus und streicht mit dem Finger über die Stelle, schließt sich das Gewebe von selbst.

Abzugrenzen ist die Fibel von der Brosche (rein dekorativ, kein funktionaler Verschluss) und der Agraffe (oft mit Haken-Ösen-Verschluss, typisch für Renaissance und Barock). Die mittelalterliche Fibel hingegen ist immer funktional: Sie hält Stoffe zusammen – und zeigt durch Material und Ausführung, welchen gesellschaftlichen Rang ihr Träger oder ihre Trägerin einnahm. Einfache Eisenfibeln trugen Bauern und einfaches Gesinde; aufwendig gravierte Stücke aus Silber oder Gold mit Einlagen waren dem Adel vorbehalten.

Fibeln durch die Epochen: Von der Wikingerzeit bis zur Renaissance

8.–11. Jh.

Wikinger- und Frühmittelalter

Die Wikingerzeit brachte einige der bekanntesten Fibelformen hervor. Schalenfibeln (paarig getragen an der Schulter über dem Trägerkleid der Wikingerfrauen) und Dosenfibeln aus Gotland sowie Gleicharmfibeln und Kleeblattfibeln nach Funden aus Birka, Tranby und Saltvik zählen zu den charakteristischsten Stücken der Epoche. Daneben waren Bügelfibeln im fränkisch-merowingischen Bereich weit verbreitet. Die Fibeln dieser Zeit sind oft reich ornamentiert – Tierstile wie der Jelling- oder Borrestil prägen viele Repliken bis heute.

11.–13. Jh.

Hochmittelalter

Im Hochmittelalter setzte sich die Ringfibel als Standard-Gewandschließe durch. Gleichzeitig etablierte sich der Fürspann als typischer Verschluss am Halsausschnitt von Cotte und Hemd. Die Formen wurden schlichter, der Fokus lag auf solider Funktion. Hufeisenfibeln aus Eisen und Bronze sind für diese Epoche in großer Zahl archäologisch belegt.

13.–15. Jh.

Spätmittelalter

Der Fürspann erlebt im Spätmittelalter eine dekorative Blüte: Farbige Glassteine im Rosenschliff, Emaille-Einlagen und Vergoldungen bereichern die Stücke. Gleichzeitig beginnen Knöpfe und Nesteln die Fibel schrittweise zu verdrängen – zumindest beim Verschließen von Ärmeln und Mieder.

15.–16. Jh.

Renaissance

In der Renaissance verliert die Fibel ihre alltägliche Funktion als Gewandverschluss weitgehend. Dekorative Formen bleiben als Schmuck erhalten, werden aber mehr und mehr von Agraffen und aufwendigen Knopfverschlüssen abgelöst. Die ältesten gesichert datierten Fibeln reichen übrigens bis in die Bronzezeit zurück – womit die Fibel eines der langlebigsten Kleidungsaccessoires der Menschheitsgeschichte ist.

Die Ringfibel und der Fürspann: Unterschiede und Anwendung

Die Ringfibel und der Fürspann: Unterschiede und Anwendung

Die Ringfibel besteht aus einem vollständig geschlossenen Ring, an dem ein beweglicher Dorn befestigt ist. Das Funktionsprinzip basiert auf Zugspannung: Der Stoff wird von der Rückseite durch die Ringöffnung geführt und dann auf den Dorn aufgefädelt. Der Zug des Stoffes am Dorn hält die Fibel so lange geschlossen, bis sie von Hand geöffnet wird. Je mehr Stoff durch den Ring gezogen wird, desto fester sitzt der Verschluss.

Der Fürspann (auch Fürspan, Fürspange oder Fürspange geschrieben) ist im Grunde eine kleinformatige Ringfibel mit besonderem Verwendungszweck: Er verschließt den Halsausschnitt von Cotte, Hemd oder Untergewand. Typisch sind Durchmesser zwischen 2 und 5 cm. Im Hochmittelalter war der Fürspann aus Bronze oder Messing ein allgegenwärtiges Detail der Alltagsgewandung – sowohl bei Männern als auch bei Frauen.

Die Omegafibel ist eine Sonderform der Ringfibel, deren Körper eine Ω-förmige Öffnung aufweist. Diese Öffnung macht das Anlegen deutlich einfacher, da der Stoff nicht mehr durch einen geschlossenen Ring gefriemelt werden muss. Vorgehen beim Schließen:

  1. Fibel so halten, dass der Dorn vom Ring weg zeigt (aufgeklappt).
  2. Dorn durch die zu verbindenden Stofflagen führen.
  3. Dorn zur Fibel hin umklappen.
  4. Dorn durch die Ω-Öffnung führen.
  5. Dorn leicht verdrehen, so dass er nicht mehr zur Öffnung zeigt – die Fibel ist geschlossen.

Zum Öffnen: Dorn zurückdrehen, aufklappen, Stoff abfädeln. Mit etwas Übung gelingt das in Sekunden.

Materialien und Größen: Die richtige Fibel für dein Gewand

Material Eignung Typische Verwendung
Bronze / Messing Leichte Stoffe Hemden, Blusen, Wadenwickel und Beinwickel, Fürspann am Halsausschnitt
Eisen / Stahl Schwere Stoffe Umhänge und Mäntel, Felle, schwere Wollgewebe
Silber / versilbert Historisch Hochwertigeres Reenactment, Wikinger-Darstellungen, historisch belegte Ringfibeln
Gold / vergoldet Historisch Adlige Darstellungen; archäologisch als „Goldfibel" bekannt – Prunkstücke aus Adels- und Königsgräbern

Die Goldfibel ist kein Mythos: Archäologisch sind Fibeln aus echtem Gold aus Fürstengräbern der Merowinger- und Wikingerzeit belegt – etwa die Goldfibeln aus Sutton Hoo oder skandinavischen Hortfunden. Im historischen Reenactment werden solche Stücke als vergoldete Bronzereplikate dargestellt.

Zur Größenwahl gilt eine einfache Faustregel: Je dicker der Stoff, desto größer der Ringdurchmesser und desto länger der Dorn. Feine Stoffe wie Leinenhemden lassen sich mit kleinen Fibeln ab 2–3 cm Durchmesser verschließen. Schwere Wollmäntel oder Felle benötigen Fibeln mit 7–9 cm Durchmesser und einem kräftigen Stahldorn.

Fibeln und Gewandschließen gehören zum klassischen Mittelalter-Schmuck – sie ergänzen Ketten und Anhänger, Armbänder und Armreife sowie Ringe zu einem stimmigen Gesamtbild.

Fibeln im Reenactment und LARP: Was passt zu welchem Outfit?

Einstieg · ab ca. 10 €

Eine einfache Ringfibel oder Hufeisenfibel aus Eisen oder Bronze ist der ideale Einstieg. Vielseitig einsetzbar, robust und preiswert – schließt zuverlässig Umhänge, fixiert Beinwickel und passt zu nahezu jedem historischen Gewand vom Frühmittelalter bis ins Spätmittelalter. Handgeschmiedete tordierte Ringfibeln aus Eisen (ca. 8,5 cm Durchmesser) sind eine bewährte Wahl für Einsteiger.

Wikinger-Darstellung · 13–60 €

Für eine authentische Wikinger-Darstellung greifen Frauen zu paarig getragenen Schalenfibeln oder Dosenfibeln nach Funden aus Birka oder Gotland – sie halten das Trägerkleid (Hangerock) an den Schultern. Männer tragen Kleeblattfibeln, Gleicharmfibeln oder Scheibenfibeln nach Funden aus Tranby, Kaupang oder dem Borrestil. Die Fibelkette zwischen zwei Schalenfibeln ist typisch für Wikingerfrauen und diente gleichzeitig als Träger für Anhänger, Schlüssel und weiteren Schmuck. Passende Stücke findest du in unserer Wikinger Fibel-Kategorie und bei der Wikinger Fibelkette.

Reenactment · 25–90 €

Für detailgetreue Hochmittelalter- oder Spätmittelalter-Darstellungen eignen sich Ringfibeln und Fürspänne aus Bronze oder versilbert – am Halsausschnitt der Cotte, zum Schließen des Leinenhemdes oder als dekorativer Akzent am Mantel. Spätmittelalterliche Fürspänne mit farbigen Glassteinen im Rosenschliff oder Kleeblattfibeln nach historischen Vorbildern heben die Darstellung auf ein höheres Detailniveau. Angelsächsische Breitkopffibeln nach Funden von der Isle of Wight oder fränkische Bügelfibeln der Merowingerzeit runden das Sortiment für spezialisierte Darstellungen ab.

Fibeltypen im Überblick: Von der Ringfibel bis zum Fürspann

Ringfibel & Hufeisenfibel

Hoch- und Spätmittelalter

Geschlossener Ring mit beweglichem Dorn – der Klassiker schlechthin. Aus Eisen, Bronze oder Silber, in Durchmessern von 3 bis 9 cm. Die Hufeisenfibel ist eine offene Variante mit nach außen gebogenen Enden, typisch für das 9.–12. Jahrhundert.

Omegafibel

Frühmittelalter / Wikinger

Ringfibel mit Ω-förmiger Öffnung im Körper, die das Anlegen erleichtert. Besonders im Wikinger-Reenactment beliebt, da zahlreiche Originalfunde aus Skandinavien erhalten sind.

Kleeblattfibel

Wikinger / Frühmittelalter

Drei- oder vierlappige Scheibenfibel mit charakteristischer Kleeblattform. Nach Funden aus Stora Ryk, Värnamo, Tranby und Kaupang gefertigt – oft im Osebergstil oder Borrestil verziert.

Schalenfibel & Dosenfibel

Wikinger / Birka / Gotland

Paarig getragene gewölbte Fibeln zur Befestigung des Hängekleids an den Schultern. Die Dosenfibel aus Gotland (ab 8. Jh.) und die Schalenfibel aus Saltvik und Morberg gehören zu den ikonischsten Stücken wikingerzeitlicher Tracht.

Bügelfibel

Merowinger / Frühmittelalter

Langgestreckte Fibel mit Bügel und Fuß, typisch für die fränkisch-merowingische Epoche (5.–8. Jh.). Nach Originalen aus fränkischen Gräberfeldern gegossen, oft mit Tierornamentik.

Fürspann / Fürspange

Hoch- und Spätmittelalter

Kleine Ringfibel (2–5 cm) zum Verschließen des Halsausschnitts. Im Spätmittelalter mit Glassteinen, Emaille oder Gravuren verziert. Einer der am häufigsten dargestellten Fibeltypen in mittelalterlicher Buchmalerei und Tafelbildern.

Scheibenfibel

Wikinger / Frühmittelalter

Flache oder leicht gewölbte Scheibe, oft mit reicher Ornamentik. Die Wikinger Scheibenfibel Troendelag im Borrestil ist ein typisches Beispiel aus dem 10. Jahrhundert.

Gleicharmfibel

Wikinger / Birka

Symmetrische Fibel mit gleichlangen Armen, nach Funden aus Birka. Ca. 6–7 cm groß, aus Bronze oder versilbert – eine der ältesten und am weitesten verbreiteten Fibelformen der Wikingerzeit.

Distelfibel & Motivfibeln

Frühmittelalter / Wikinger

Fibeln in Pflanzen- oder Tierform, etwa die Distelfibel aus Messing. Auch angelsächsische Breitkopffibeln (z. B. Isle of Wight) oder die Goldsborough-Fibel gehören zu den motivreichen Sonderformen dieser Gruppe.

Über 100 Fibeln im Sortiment – von handgeschmiedeten Eisenringfibeln ab 10 € bis zu detailgetreuen Replikaten nach archäologischen Funden bis 90 €. Als Trusted-Shops-Mitglied mit 30 Tagen Rückgaberecht und telefonischer Beratung Mo–Fr 8–12 und 13–15 Uhr stehen wir dir bei der Auswahl gerne zur Seite.

Ob dein erster Wikinger-Umhang, eine detailgetreue Reenactment-Darstellung oder ein LARP-Outfit – in unserem Sortiment findest du Fibeln für jede Epoche, jeden Stoff und jedes Budget. Stöbere durch mittelalterliche Gewandschließen und entdecke die passende Schließe für dein nächstes Outfit.

Häufig gestellte Fragen

Eine mittelalterliche Fibel ist eine Gewandschließe, die aus einem Körper (Ring, Scheibe, Kleeblatt etc.) und einem Dorn besteht. Der Dorn wird durch die Stofflagen geführt und hält sie durch Zugspannung zusammen. Fibeln wurden im Mittelalter zum Schließen von Umhängen, Mänteln, Hemden und Halsausschnitten verwendet – und dienten gleichzeitig als Schmuck, der den sozialen Rang ihres Trägers anzeigte.

Eine Ringfibel besteht aus einem vollständig geschlossenen Ring mit einem beweglichen Dorn. Der Stoff wird von hinten durch den Ring geführt und auf den Dorn aufgefädelt. Der Zug des Stoffes am Dorn hält die Fibel geschlossen – ohne zusätzlichen Verschlussmechanismus. Je mehr Stoff durch den Ring gezogen wird, desto fester sitzt der Verschluss.

Der Fürspann (auch Fürspan oder Fürspange) ist im Grunde eine kleinformatige Ringfibel mit einem typischen Durchmesser von 2–5 cm. Er wurde speziell zum Verschließen des Halsausschnitts von Cotte oder Hemd verwendet. Ringfibeln können deutlich größer sein (bis 9 cm und mehr) und dienen vor allem zum Schließen von Umhängen und Mänteln.

Die wichtigsten Fibeltypen sind: Ringfibel, Hufeisenfibel, Omegafibel, Fürspann/Fürspange, Schalenfibel, Dosenfibel, Kleeblattfibel, Scheibenfibel, Gleicharmfibel, Bügelfibel und Distelfibel. Sie unterscheiden sich in Form, Epoche und Verwendungszweck. Wikingerzeitliche Fibeln sind oft ornamentiert, hochmittelalterliche Ringfibeln meist schlichter und funktional.

Die Faustregel lautet: Je dicker der Stoff, desto größer der Ringdurchmesser und desto länger der Dorn. Feine Leinenhemden und Wadenwickel lassen sich mit kleinen Fibeln ab 2–3 cm Durchmesser verschließen. Für schwere Wollmäntel oder Felle empfehlen sich Fibeln mit 7–9 cm Durchmesser aus Stahl oder Eisen. Bronze und Messing eignen sich für leichte Stoffe, Stahl für schwere Materialien.

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